In Plus Size Größen benötigen wir viel Stoff. Die im Schnittmuster angegebene Menge ist ein Anhaltspunkt. Zwei Meter laufen mehr ein als ein Meterchen für Gr. 36. Außerdem möchten wir das Shirt vielleicht verlängern oder brauchen eventuell doch eine Nummer größer. Es ist außerdem ein Unterschied, ob der Stoff 140 oder 150 cm breit liegt. Wenn Vorder- und Rückenteil beim Zuschneiden nebeneinander passen, benötigen wir deutlich weniger Stoff.
Deshalb stehen wir oft ratlos im Laden, denn wir wollen ja nicht zuviel Geld ausgeben.

  • Wie ich den Stoffbedarf berechne
  • Warum ich immer mehr als die empfohlene Stoffmenge kaufe
  • Praktische Ideen für Stoffreste

Wieviel Stoff kaufe ich für ein Schnittmuster

Wie ich den Stoffverbrauch berechne

Mit dem ersten Kind war unser Geld sehr knapp. Ich habe entweder im Secondhandladen gekauft oder etwas aus abgelegter Kleidung genäht. Alle Babys trugen pastellfarbene Strampler, meins dagegen Pumphosen aus abgelegten bunten Cordhosen mit Applikationen. Du ahnst es, alle wollten für ihre Kinder diese knuffigen Hosen und ich konnte etwas hinzuverdienen. Das war der Beginn meiner Selbstständigkeit vor ca. 35 Jahren. Noch heute nähe ich für die Enkelmädchen gerne aus alten Jeans.
In den 90ern kostete ein Meter Stoff 4 bis 6 Mark. Das ist in mir verankert. Ich würde NIE einen Stoff kaufen, NUR weil er Trend ist. Ich kaufe nur, wenn er mir wirklich gefällt und bei günstigen Basics bevorrate ich mich gerne mit einem ganzen Ballen.
Oft ist es ja nicht billiger, selber zu nähen. Selbstgenähtes sitzt aber einfach besser an meiner Plus Size Figur als Kaufmode. Außerdem kann ich genau die Qualität nähen, die ich mir wünsche.
Seit kurzer Zeit kaufe ich meist einen ganzen Ballen Stoff und stelle die Restmeter dann für euch in den Shop. Bis dahin habe ich aber ganz normal jeweils das benötigte Material für ein Modell geplant. So habe ich mir angewöhnt, nach bestimmten Regeln zu kaufen.
Ich kalkuliere:
Stoffverbrauch entsprechend meiner Größe
+ 20 cm weil ich persönlich Mehrlänge an Ärmeln und Oberkörper brauche
+ 10 % fürs Einlaufen bei der Wäsche
+ 25 cm Reserve
Ein Beispiel:
1,8 m für das Langarmshirt
+ 20 cm persönliche Mehrlänge
+ 20 cm ( 10%) fürs Einlaufen
+ 25 cm Reserve
—————-
2,45 m
Mit einer normalen Körpergröße (Schnittmuster werden meist für 168 cm konzipiert) benötigst du selbstverständlich keine Mehrlänge. Trägst du eine Kurzgröße, kürzt du meist die Oberteile oder Hosen und kannst so eventuell auf die Stoffzentimeter fürs Einlaufen verzichten.
Jetzt fragst du dich sicher, warum ich eine „Reserve“ kaufe.

 

Warum ich immer mehr kaufe als den empfohlenen Stoffbedarf

Mit diesen Extrazentimetern bin ich sehr flexibel:
  • Der Stoff könnte mehr einlaufen.
  • Ich möchte das Shirt doch noch verlängern.
  • Ich kann mich nach dem Messen noch für eine Nummer größer entscheiden.
  • Es lässt sich bei gemusterten Stoffen hübscher zuschneiden.
  • Bei kleinen Zuschneide- oder Nähpannen kann ich das Modell noch retten.
Diese 25 cm Reserve bieten mir viel Flexibilität und ich bin entspannter beim Zuschneiden.
Aber sie bleiben öfter mal als Rest über – und Stoff ist nicht billig.
Ich ärgere mich darüber aber nicht, denn diese Zentimeter lassen sich bestens verwenden.

 

Praktische Ideen für Stoffreste

Du hast es sicher schon auf vielen Fotos entdeckt: Ich liebe es, einen Loop oder Schal in allen Variationen zu tragen. Sie vervollständigen einen Look, baumeln locker herunter und können so die Proportionen strecken.
Genau dafür sind die Stoffreste perfekt. Ich zeige dir mal ein paar ganz einfache Möglichkeiten.
Schal aus Jerseyresten nähen
Dieser Schal besteht aus zwei Ringeljerseys. Ich habe sie einfach mit einer farblich passenden Overlocknaht mit kleiner Stichlänge aneinander genäht. Die Enden der Overlockraupe werden mit einer Stopfnadel in die Naht zurückgezogen. Da Jerseykanten nicht ausfransen, sind sie rundherum nur geschnitten.
Schal für plus size Mode selber nähen

Das funktioniert mit allen nichtfransenden Stoffen. Egal ob Jersey, Sweat, Fleece, Walk… und du kannst beliebig stückeln. Das Schöne: deine Stoffreste bestehen ja schon automatisch aus deinen Lieblingsfarben!

Loopschal aus Jerseyresten nähen
Loop aus Fleeceresten nähen
Du kannst auch Webware-Reste patchen:
Patchworkschal einfach selber nähen
Bei Limetrees findest du dafür ein gratis Tutorial.
Es gibt sogar Stoffe wie z.B. Chambray, die fein und leicht gewebt sind.
Schal ohne Nähen ausfransen
Dazu benötigst du noch nicht einmal eine Nähmaschine:

 

Stoff rundherum alle 5 mm in der gewünschten Fransenlänge einschneiden.

Mit einer Stopfnadel die Querfäden herausziehen und ausfransen.
Bügeln, auf Wunsch noch Label oder Webbandrest annähen, fertig ist der leichte Schal.
Probiere es einmal aus, denn gerade die gepatchten Loops oder Schals sind so praktisch. Du kannst sie zu allen Oberteilen tragen, bei denen die Stoffreste über waren, denn es ist immer einmal der gleiche Stoff enthalten und passt sich so wunderbar an.
Schnittmuster Blusenshirt aus leichter Viskose
Schnittmuster Blusenshirt als Strickpulli mit passendem Loop

Nähe einen Loop aus einer Jerseyfarbe, welche im Muster des Oberteils vorkommt. Ein Loop aus dem gleichen Stoff zaubert aus einem einfachen Strickpulli bei Bedarf einen kuscheligen Rollkragenpulli… die Möglichkeiten sind unendlich.

Diese beiden Modelle sind nach dem Blusenshirt-Schnittmuster genäht. Es kann hoffentlich, wie geplant, nächste Woche erscheinen.

Da es ein ganz neues Schnittmusterkonzept für große Größen ist, warten derzeit zwei Videos auf die Fertigstellung und die schöne Mappe ist noch im Druck.

 

Wie kaufst du Stoff? Richtest du dich nach den Schnittmusterangaben? Berücksichtigst du das Einlaufen? Hattest du schon einmal zu wenig Stoff? Teile gerne unten in den Kommentaren deine Tipps zum Stoffkauf mit uns. Ich bin gespannt.